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Deutsche Seelen - Leben Nach Der Colonia Dignidad - DOKU - [DE] DVD

Deutsche Seelen - Leben Nach Der Colonia Dignidad - DOKU - [DE] DVD
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Art.Nr.: 850399
Deutsche Seelen - Leben Nach Der Colonia Dignidad - DOKU - [DE] DVD

850399 DE
Tonspur: Deutsch
Untertitel: D, E
Länge: 92 Min.
Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
Extras: Nicht verwendete Szenen, Interview mit Martin Farkas und Matthias Zuber

 

Originaltitel: Deutsche Seelen - Leben nach der Colonia Dignidad
Regie: Martin Farkas, Matthias Zuber
Musik:  
Darsteller: ---
  Deutschland 2009


DEUTSCHE SEELEN - Leben nach der Colonia Dignidad

In einem abgeschlossenen Gebiet in den Bergen von Chile errichten 1961 rund 500 deutsche Auswanderer, die der Vision ihres christlichen Sektenführers Paul Schäfer gefolgt sind, eine Siedlung. Alle müssen hart arbeiten, um das Land urbar zu machen und Felder anzulegen. Es entsteht die Colonia Dignidad, die in den folgenden Jahrzehnten von der westdeutschen Regierung protegiert wird.
Auch die Kinder werden wie Sklaven zur Feldarbeit gezwungen und mit Peitschenhieben auf die nackten Leiber angetrieben. Alle Kinder werden von ihren Eltern getrennt in gesonderten Wohnhäusern aufgezogen. Jungen und Mädchen werden systematisch mißhandelt, eingeschüchtert, gequält, gefügig gemacht, schließlich sexuell mißbraucht. Nachts werden sie aus den Betten geholt, müssen sich entblößen und werden mit endlosen Elektroschocks in die Genitalien traktiert. Mit Medikamenten und Drogen werden sie ruhiggestellt. Die Erziehung und Bildung ist auf streng christliche Werte ausgerichtet. Sexualität und der Umgang mit dem anderen Geschlecht kommt in der Erziehung überhaupt nicht vor. Abgeschottet von der Außenwelt haben die Heranwachsenden keine Chance zu erfahren, wie Sex funktioniert. Noch als Erwachsene wissen sie nicht, wie man sich fortpflanzt. Sektenführer Schäfer umgibt sich stets mit jungen Männern, die ihm persönliche Dienste zu leisten haben.
Alle Sektenmitglieder sind ihrem Prediger Schäfer vollkommen hörig. Seine Autorität speist sich aus der Vaterfigur, die er für seine Anhänger darstellt. Mit einem ausgeklügelten System von Belohnung und Bestrafung sichert sich Schäfer das Verlangen seiner Untertanen, die tägliche persönliche Anerkennung des Anführers durch gefälliges Verhalten zu erlangen. Wo der Druck über soziale Anerkennung nicht ausreicht, wird mit Methoden eines totalitären Polizeistaats verhindert, daß Einzelne aus der Gemeinschaft ausscheren. Aus dem bewachten Gelände gibt es keinen Weg nach draußen. Wer die Flucht wagt, dem droht die äußerste Konsequenz. Während der Pinochet Diktatur kollaboriert Schäfer mit dem Mörderregime. Er stellt den faschistischen Militärs die Colonia Dignidad als Folterstätte für zivile Gefangene zur Verfügung. Im Gegenzug besorgt die Militärpolizei die Beseitigung von Schäfers Leichen.
Erst in den 1990er Jahren nimmt der chilenische Staat die ungeheuerlichen Zustände in der Colonia Dignidad zur Kenntnis und geht gegen das menschenverachtende Treiben vor. Das demokratische Chile tut sich schwer mit der Verfolgung und Auflösung der kriminellen Vereinigung. Noch viele Jahre kann die Colonia Dignidad weiter existieren. Schäfer flieht 1997, taucht unter, wird erst 2005 in Argentinien gefaßt und mit weiteren Komplizen aus dem Führungszirkel vor Gericht gestellt.

Die Prozesse gegen die Verantwortlichen laufen noch, als das Filmteam im Auftrag des ZDF in Chile Interviews mit Mitgliedern der nunmehr aufgelösten Colonia Dignidad macht. Etwa die Hälfte der Bewohner ist auf dem Gelände geblieben und versucht nach einer Neuorganisation unter dem Namen "Villa Baviera" ein "Leben danach" zu führen. Sie möchten die ihnen vertraute Gemeinschaft nicht verlassen. Sie führen Landwirtschaft und Betriebe fort, pflegen ihren sozialen Kontakte. Ohne Schäfer und sein autoritäres System glauben sie nun an eine Normalisierung ihres Lebens. Wie weit sie jedoch davon entfernt sind, das enthüllen ihre einhelligen Aussagen. Alle Befragten äußern sich im selben Tenor. Zwar wird zugegeben, daß in der Colonia Dignidad Unrecht geschehen sei, daß besonders gegenüber Kindern Verbrechen begangen wurden, doch es werden keine Schuldigen benannt. Die Täter stellen sich selbst als Opfer dar, die Opfer wurden bald selbst zu Tätern. Eltern, die zuließen, daß man ihnen ihre Kinder wegnahm und sie mißhandelte, sind sich keiner Schuld bewußt. Sie hielten dieses Tun damals im Glauben an Schäfers Predigten für notwendig und normal, und das glauben sie heute noch. Menschen, die als Kinder in der Colonia Dignidad aufwuchsen, berichten vor der Kamera über das Leid, das ihnen zugefügt wurde, ohne ihre Peiniger wirklich zur Verantwortung zu ziehen. Auch diese Opfer können sich nicht von der Vorstellung lösen, daß ihre grausame Behandlung im System der Colonia Dignidad ganz normal war. Über die Details der Übergriffe bei Foltern und bei sexuellen Mißbräuchen schweigen alle. Es war so schlimm, daß sie es nicht aussprechen wollen, sagen sie nur.
Eine Aufarbeitung der Ära Colonia Dignidad findet praktisch nicht statt. Die Gerichtsprozesse können nur formal einen Schlußpunkt setzen und auch nur jene Personen aburteilen, derer die Justiz habhaft wird und deren Verbrechen von den Opfern angezeigt werden. Für sich selbst sind die im Film befragten Mitglieder der Colonia Dignidad nicht zu einer echten Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit bereit. Die Art der massiven kollektiven Verdrängung und der Zurückweisung jeglicher eigener Verantwortung unter Berufung auf das System, an das sie alle geglaubt hätten, weist deutlich Parallelen zum Phänomen des Schweigens bei den Aktiven wie auch den Mitläufern der deutschen Diktaturen auf. Die Colonia Dignidad, eine Art faschistischer Ministaat, steht Modell für die Flucht vor der Verantwortung bei jenen, die im NS-Regime oder im SED-Regime glaubten, ihr Handeln sei vom Gesetz gedeckt. Dahinter ist ein massenpsychologisches Prinzip erkennbar. (Pino DiNocchio)

 


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