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Allein In 4 Wänden - DOKU - [DE] DVD russisch

Allein In 4 Wänden - DOKU - [DE] DVD russisch
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Art.Nr.: 850214
Allein In 4 Wänden - DOKU - [DE] DVD russisch

850214 DE - mit Wendecover -
Tonspur: Russisch
Untertitel: D
Länge: 86 Min.
Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
Extras: Wendecover

 

Originaltitel: Allein in 4 Wänden
Regie: Alexandra Westmeier
Musik:  
Darsteller: -
  Deutschland 2007


ALLEIN IN 4 WÄNDEN

Rußland im Jahr 2007. Im Kindergefängnis der Stadt Tscheljabinsk im Ural sitzen 120 Jungen mehrjährige Haftstrafen ab. Die Jüngsten sind gerade mal 11 Jahre alt. Den verstörten Neuankömmlingen werden die Haare geschoren, die sie danach gleich selber mit dem Reisigbesen zusammenfegen müssen. Es fließen heftige Tränen. Neben der generellen Demütigung, die mit dem Abschneiden der Haare einher geht, ist das die äußerliche Eliminierung der Individualität. Aus dem Charakterkopf wird eine Nummer.
Zwei Jahre Knast für geringfügige Lebensmitteldiebstähle, drei Jahre für Mord. Im russischen Justizsystem spielt es kaum eine Rolle, was einer getan hat, und unter welchen Umständen es dazu kam. Jeder Gesetzesverstoß endet für Straßenkinder aus den benachteiligten Gesellschaftsschichten im Gefängnis.
Morgens wenn die Glocke schrillt, springen die Jungen in ihren Unterhosen aus den Betten, und so geht es aus dem Schlafsaal im Trab hinaus auf den Hof zur Leibesertüchtigung. Danach sitzen sie in saubere Schuluniform eingekleidet beim Unterricht.
Für die Unterbringung in der Massenunterkunft müssen die gefangenen Kinder selbst mit anpacken. Was üblicherweise ein Familienhaushalt ist, das ist hier die Gemeinschaftseinrichtung. Arbeitsdienst in der Küche, beim Putzen der Räume, in Pflege der Außenanlage - das spart der Anstalt das Personal. Auch für die Produktivarbeit werden die Kinder eingesetzt. In hauseigenen Werkstätten werden sie mit stupiden Arbeiten beschäftigt. Entlohnung gibt es dafür nicht. Ein bißchen Zeit bleibt am Ende des Tages noch zum Spielen.
Manchen der Jungen geht es in der geschlossenen Haftanstalt tatsächlich besser als in Freiheit, in ihren zerrütteten Familien oder auf der Straße. Immerhin sind sie mit dem Nötigen versorgt. Unterkunft, Mahlzeiten, ärztliche Behandlung, Schulunterricht - das alles war für sie draußen nicht selbstverständlich. Teils in Banden organisiert begingen sie Diebstähle allein für ihren Lebensunterhalt, für Essen und Kleidung, oder auch für Drogen, mit deren Hilfe sie ihre hoffnungslose Lage von Armut und fehlender sozialer Bindung immer wieder vergessen wollen.

Das Filmteam besucht auch betroffene Eltern, die kaum verbergen, wie überfordert sie mit ihrem Nachwuchs sind, und die ihre Erziehungsprobleme beklagen. Manche fürchten sich von ihren Söhnen, die zu kleinen Monstern geworden sind. Das ist die Quittung für lieblosen Umgang mit den eigenen Kindern. Es sind Leute, die mit sich selbst nicht klarkommen. Eheprobleme, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, soziale Verwahrlosung. Wenig Wunder, daß Kinder aus solchen Familien weglaufen.
Besonders schwer haben es im Kinderknast die Mörder. Diebstähle sind Ehrensache. Wer jedoch einsitzt, weil er jemanden umgebracht hat, wird von vielen Mitgefangenen gemieden. Tolja ist ein sympathischer Junge. Jetzt wirkt er still und traurig, wenn er davon erzählt, wie er zusammen mit Kameraden einen anderen Jungen erschlagen hat. Zeit über sein junges Leben und seine Zukunft nachzudenken hat Tolja mehr als genug. Wohl wissend um die Nichtakzeptanz von Mördern, wollte er während der Haftzeit allein für sich bleiben, nicht reden und allem aus dem Weg gehen. Doch er mußte lernen, daß der Versuch sich durch Rückzug in sich selbst vor der verächtlichen Behandlung durch Mitgefangene zu schützen nicht funktioniert, weil ohne Kommunikation und Teilnahme an dem erzwungenen Gemeinschaftsalltag die Isolation nur zu Nachteilen führt. Tolja hat sich mit den Verhältnissen arrangiert. Er möchte sich bessern und nach seiner Entlassung als anständiger Mensch neu anfangen. So ganz sicher ist er nicht, ob er das schaffen wird. Denn Tolja weiß auch, daß ihm niemand dabei hilft. Die Anstalt liefert ihm keine Perspektive für die Realisierung eines alternativen Lebensentwurfs.

Eine Gesellschaft verschwendet ihr Potential. Der russische Staat gibt vor, mit den drakonischen Freiheitsstrafen die Resozialisation jugendlicher Straftäter zum Ziel zu haben. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache, ebenso wie praktisch alles, was die Dokumentarfilmerin Alexandra Westmeier in ihren vollständig unkommentierten Bildern zeigt. Die Kamera gibt Einblick in das Kindergefängnis und porträtiert einige der Jungen, die mit traurigen Blicken von sich erzählen. Sie wachsen auf in einer abgeschotteten Hemisphäre außerhalb der realen Welt. In der wichtigsten Entwicklungsphase als Teenager können sie keine adäquate Lebenserfahrung machen.
Psychologische Begleitung haben die Jungs im russischen Kindergefängnis nicht. Weder erfolgt eine reflektierende Auseinandersetzung mit ihren Straftaten in Form einer sozialtherapeutischen Aufarbeitung, noch werden sie pädagogisch auf das Leben draußen vorbereitet. Sie sind einfach weggesperrt und müssen sich der Disziplin fügen. Mehr nicht. Wenn sie rauskommen, werden sie dort weitermachen, wo sie aufgehört haben. Die Statistik ist vernichtend: 91% der Jungen landen erneut im Gefängnis - dann zumeist im Erwachsenenvollzug.
(Pino DiNocchio)

 


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