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Hundsbuam - Die Letzte Chance - DOKU - [EU] DVD

Hundsbuam - Die Letzte Chance - DOKU - [EU] DVD
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Art.Nr.: 850199
Hundsbuam - Die Letzte Chance - DOKU - [EU] DVD

850199 EU
Tonspur: Deutsch
Untertitel: keine
Länge: 90 Min.
Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
Extras: Mediabook mit Booklet; 90 Minuten alternative Schnittfassung in 3 Teilen mit zusätzlicher Kommentierung

 

Originaltitel: Hundsbuam - Die letzte Chance
Regie: Alexander Riedel
Musik:  
Darsteller: Harry Penzkofer, Lucas Steiner, Ramazan Cinar, Maxi Hofmann, Freddy Hajdini, Robert Öttl
  Deutschland 2012


HUNDSBUAM - DIE LETZTE CHANCE

In der im Ort Wartenberg vom Landkreis Erding nördlich von München eingerichteten Ganztagsintensivklasse GIK werden 8 Jungen zwischen 14 und 16 Jahren betreut, für die das konventionelle staatliche Schulsystem keinen adäquaten Platz mehr fand. Sie zeigen Lernschwierigkeiten, fehlende Motivation, unzureichende persönliche Lebensperspektiven und defizitäres Sozialverhalten. Ein Lehrer und eine Sozialpädagogin leiten die Jugendlichen in individuell erstellten Unterrichtseinheiten an, um sie an einen Hauptschulabschluß heranzuführen und sie im Anschluß in eine Berufsausbildung zu vermitteln. Neben der schulischen Bildung werden auch soziale Kompetenzen eingeübt. Umgangsformen, Gruppenverhalten ebenso wie auch persönliche Disziplin und mentale Stärke werden trainiert. Die Jungs kommen aus problematischen Familienverhältnissen. Eltern oder Elternteile sind nicht präsent oder mit der Erziehung überfordert; oder sie leben in anderen kulturellen Realitäten, was oft bei Einwanderern zu beobachten ist. Mit Unterstützung aus dem Elternhaus kann die GIK also kaum rechnen. Hilfestellung leistet da schon eher Schulhund Zenzi.
Der Dokumentarfilm begleitet die Jungen von der GIK sowie Lehrer Walter Mooser und Sozialpädagogin Lisa Walde ein Schuljahr lang bei ihrem Bemühen, den Sprung in ein geregeltes Erwerbsleben noch zu schaffen. Alles ist darauf ausgerichtet, nicht nur den Schulstoff, sondern auch die persönliche Reife der 14-16jährigen auf ein Level zu bringen, mit dem sie später in der Arbeitswelt bestehen können. Zur Orientierung bei der Berufssuche müssen sich die Schüler um Praktikumsplätze bei Unternehmen bewerben. Erste Bewährungsproben. Auch die Chefs sehen auf einen Blick, daß bei diesen Kandidaten noch einige Arbeit zu leisten ist. Es braucht verständnisvolle Personalleiter und Kollegen, die es als Teil ihrer sozialen Verantwortung begreifen, schwierigen Jugendlichen eine Chance zu geben. Da ist von einem Ausbildungsbetrieb oft auch mehr gefordert als nur das Vermitteln der beruflichen Qualifikation.
Regisseur Alexander Riedel bringt dem Zuschauer fünf Teenager mit Charakterköpfen so nahe, daß man sich wirklich auf sie einlassen kann. So manche notorische Renitenz mag einen auf die Palme bringen, man spürt aber auch, daß solches Verhalten das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses ist, für den die Jungs selbst am wenigsten verantwortlich zu machen sind. Ramazan, Freddy, Lucas - sie haben sehr genau definierte soziale Werte und Regeln, an die sich konsequent halten, und die sie so verinnerlicht und automatisiert haben, daß sie sie völlig ungeniert ausleben und jederzeit argumentativ rechtfertigen können. Nur sind das eben nicht die Regeln der Allgemeinheit, deshalb hat diese damit ein Problem.
Die Hundsbuam sind eigentlich richtig zum Knuddlen. Sie besitzen Begabungen, ihr Potential muß nur gefunden und richtig eingesetzt werden. Sie wollen auch alle etwas aus sich machen, wissen nur hinten und vorne nicht wie. Mit den unermüdlichen Anstrengungen von Walter Mooser gelingt das immerhin bei einigen, sie auf einen Weg zu bringen, der ihrem Tempo gerecht wird. Sie brauchen vor allem Zeit für ihr Erwachsenwerden und Respekt für ihre Bedürfnisse, damit sie sich nicht unter Druck gesetzt fühlen; damit eine entspannte Atmosphäre entsteht, ein Gefühl von 's paßt scho, wie Lucas zu sagen pflegt.

Rechtliche Grundlage des Projekts ist die gesetzliche Schulpflicht, der zufolge Heranwachsende mindestens bis zum Erreichen eines Schulabschlusses, höchstens jedoch in Deutschland bis zur Volljährigkeit mit 18 und in Bayern bis zum 21. Lebensjahr der Zwangsanwesenheit in einer zugelassenen Schule unterliegen. Bei wiederholten Verstößen gegen die Schulpflicht können Erziehungsberechtigte wie auch Schüler mit Geld- und Gefängnisstrafen belegt werden. Möglich ist auch die Zwangsverbringung eines Schülers in die Schule durch Polizeidienstkräfte zur Durchsetzung des Schulzwangs gemäß dem nationalsozialistischen Reichsschulpflichtgesetz vom 6. Juli 1938, welches durch seine Übernahme in die Landesschulgesetze der Bundesrepublik Deutschland fortbesteht, wenngleich es seitdem Änderungen unterzogen wurde. So heißt es etwa in §118 Bayerisches Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen: "Die Kreisverwaltungsbehörde kann durch ihre Beauftragten die Schulpflichtige oder den Schulpflichtigen der Schule zwangsweise zuführen."
Über diese Hintergründe informiert Alexanders Riedels Film nicht. Vielmehr stellt er die in der Schulpflicht implizierte Beschulungspflicht des Staats heraus. Das Modell der GIK soll vorführen, wie sich der Freistaat Bayern auch um schwierigste Schüler kümmert. Mehr als ein Vorzeigemodell ist das freilich nicht. Denn eine flächendeckende Versorgung mit derartigen segregativen Intensivklassen leistet der auf Normschulen ausgerichtete Staat nicht.
Riedel setzt sich nicht mit den Unzulänglichkeiten und den Langzeitfolgen des Schulsystems auseinander. Er trifft keine Analysen. Sein Film liefert nur das Rohmaterial. Die Kamera fängt die Jungs weitgehend unkommentiert in vielen typischen Situationen ein. Dabei wird dem Zuschauer schnell klar, weshalb die Regelschule mit diesen netten Buben nicht klarkommt. Die haben nämlich den entscheidenden Wendepunkt vom Kindergarten zum Vollzeitarbeitsplatz Schule schlichtweg verschlafen. Sie sind nicht angekommen. Sie haben nie realisiert, daß Kinder im Schulbetrieb in einem streng disziplinierten Tagesablauf funktionieren müssen. Diese Jungs haben keinen Bock. Sie lümmeln lieber rum. Sie haben kein Verständnis vom Ernst ihrer Lage. Mit 14 glaubt man noch an Märchen. Harry und Freddy sind überzeugt, mit ihrer verspielten Haltung durchs Leben gehen zu können. Ohne Schule, ohne Beruf, von einem Tag zum nächsten tun, wozu man Lust hat. Was da an Persönlichkeitsbildung in der Erziehung versäumt wurde, das kann auch eine fachpädagogische Unterrichtsform nicht aufholen.
Während für die einen die Zukunft ungewiß bleibt, packen die anderen es dank der Förderung. Lucas, Maxi und Robert haben Aussichten, ihre letzte Chance zu nutzen und mit der GIK zu realistischen Berufswünschen zu finden.
"Hundsbuam" leistet einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Grundsatzdebatte über das künftige Bildungssystem, bezieht jedoch nicht verbal Stellung, sondern eher emotional durch viel Sympathie für Teenager, die abgeholt werden möchten.
(Pino DiNocchio)

 


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