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Die Schüler Der Madame Anne - [Les Heritiers] - [DE] BLU-RAY

Die Schüler Der Madame Anne - [Les Heritiers] - [DE] BLU-RAY

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Art.Nr.: 746531
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746531 DE
Tonspur: Deutsch / Französisch
Untertitel: D
Länge: 105 Min.
Bild: 16:9 Widescreen 1:2.35
Extras: Interviews mit der Regisseurin und Ahmed Dramé, Making-of, Deleted Scenes
- minus - Covermotiv mit Zensurzeichen überdruckt

 

Originaltitel: Les Héritiers
Filmlänge: DVD 96 Min. ohne Abspann
Regie: Marie-Castille Mention-Schaar
Musik:  
Darsteller: Ariane Ascaride, Ahmed Dramé, Noémie Merlant, Adrien Hurdubae, Geneviève Mnich, Stéphane Bak, Raky Sall, Amine Lansari, Mohamed Seddiki, Koro Dramé, Aïmen Derriachi
  Frankreich 2014

DIE SCHÜLER DER MADAME ANNE - Les Héritiers

Aufmüpfig und unmotiviert sind die Schüler der 11. Klasse in einem französischen Gymnasium. Fast alle kommen aus farbigen Einwandererfamilien, die meisten sind muslimischer Religionszugehörigkeit, und sie legen großen Wert auf ihre strenge Glaubenspraxis. Die Spannung ist hoch, die Reizschwelle ist niedrig. Jedes auf die Goldwaage gelegte Wort kann als Provokation verstanden werden und Aufruhr im Klassenraum auslösen.
Die erfahrene Lehrerin Anne Guéguen läßt sich nicht beirren. Jedwede Störversuche in ihrem Unterricht überspielt Madame durch konsequente Nichtbeachtung, indem sie eingeworfene Bemerkungen mit entwaffnender Widerrede kurz und knackig assimiliert, um sogleich ohne Atempause in ihrem Lehrvortrag fortzufahren. Immerhin fühlen sich die Jugendlichen dadurch ernst genommen, denn Madames Reaktion stellt eine Form der Auseinandersetzung mit ihnen dar.
Das Fach Geschichte ist nicht gerade die Nummer 1 in der Hitparade der Interessen bei der Altergruppe der Elftkläßler. Trotzdem gelingt es dem schnellen Mundwerk von Anne, die notorisch unruhige Klasse in Schach zu halten. Während die Schüler bei allen anderen Lehrkräften nur die Sau rauslassen, arbeiten sie bei Anne mit. Ihr Rezept ist so simpel wie wirkungsvoll. Sie schafft mit ihrer Themensetzung im Fach Geschichte eine Plattform, auf welcher die impulsiven Schüler ihre unreflektierten Gedanken beisteuern können. Anne greift jede Anmerkung mit einem schlagfertigen Konterargument auf. So entsteht ein Diskurs, der die Jugendlichen reihenweise zum Nachdenken bringt.

On Top überrumpelt Anne ihre Klasse mit einer Projektarbeit. Der nationale Schülerwettbewerb "Widerstand und Deportation" geht über Kinder und Jugendliche, die im Nationalsozialismus Opfer in Konzentrationslagern geworden waren. Auch hier versucht Anne, mit ihrer Rhetorik Einwände der Schüler ins Leere laufen zu lassen. Weshalb der Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser kein Genozid sei, begründet sie damit, daß der "State of Israel" keinen förmlichen Beschluß zur Vernichtung des ganzen Volkes der Palästinenser gefaßt habe. Nach dieser dreisten Definition spricht man also nur von Völkermord, wenn es von einem Staat programmatisch beschlossen ist. In diesem Moment mißbraucht Anne als Lehrerin die Unwissenheit der Schüler, um mit der Autorität einer zweifelhaften Definition von Völkermord einzig und allein dem nationalsozialistischen Regime das systematische Vorhaben zur Ausrottung ganzer Völker wie der Sinti, der Roma, der Juden zuzurechnen. Der Widerspruch der nicht unklugen Schüler verstummt. Die Manipulation der Geschichtsschreibung hat funktioniert.

Nun ist dies ein nachgestellter Film. Ob sich in Frankreich wirklich eine Lehrerin vor eine überwiegend muslimische Klasse stellen kann und der von den jüdischen Besatzern Palästinas systematisch betriebenen Vernichtung der arabischen Bevölkerung die Kategorisierung als Völkermord absprechen kann? Nur weil es dort keine Gaskammern gibt?
Methodisch setzt Anne, ganz im gegenwärtig aktuellen Zeitgeist der Didaktik, die Gruppenarbeit ein. Die Schüler schwärmen in Kleingruppen aus und recherchieren Material zu ihrem jeweiligen Aufgabenbereich, um die Ergebnisse am Schluß zu präsentieren. Die Tragik der entdeckten Fakten läßt die Jugendlichen in Ehrfurcht erstarren. Keiner kann sich dem Entsetzen entziehen. Sie arbeiten richtig aktiv mit, entfalten viel Kreativität und finden dabei von einer wilden Schulklasse zu einer respektvollen Gemeinschaft zusammen.
Die Krönung ist das ultimative Totschlagargument: die Konfrontation mit einem KZ-Überlebenden, der die Klasse besucht. Wenngleich der Mann integer ist und keinen Haß verbreitet, auch seine Lage nicht für Propaganda ausnutzt, läßt sich der unwillkürlichen emotionalen Erpressung, die einer solchen bewegenden Begegnung innewohnt, nichts entgegensetzen. Die kritischen Stimmen werden erstickt. Am Ende ist von den scharfzüngigen Differenzen nichts mehr zu vernehmen. Die Saat geht auf. Die Schüler vergessen aktuelle Gegenwartskonflikte und konzentrieren sich mit einigem Ehrgeiz auf die vor ihnen liegende Aufgabe. Es hilft den Schülern, sich selbst zu finden. Das pädagogische Ziel ist erreicht. Madame Anne hat die Klasse voller schwieriger Jugendlicher einen sicheren Schritt näher an den erfolgreichen Schulabschluß geführt. Der Preis dafür ist eine singuläre Sicht auf die Ära des Nationalsozialismus, durch die der reale weltweite Faschismus der Gegenwart außerhalb des mit Scheuklappen begrenzten Blickfelds unbehelligt bleibt. So wirkungsvoll die didaktische Methode auch ist, sie schützt nicht vor Manipulation. Wo das Denken von der Lehrkraft mittels Vorwegnahme der Ergebnisse beschnitten wird, bleibt das Erkennen von Zusammenhängen auf der Strecke. So viel inhaltliche Kritik an dem Film muß an dieser Stelle sein.
Der Film "Die Schüler der Madame Anne" geht zurück auf die Idee des Schülers Ahmed Dramé, der in einer ähnlichen Klassenkonstellation von der Unterrichtsmethode seiner Lehrerin beeindruckt war. Aus seinem Drehbuchentwurf inszenierte die Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar unaufgeregt die konfliktträchtige Schulklasse mit der Durchführung des Geschichtsprojekts. Ein gutes Dutzend Schüler sind als individuelle Charakterfiguren erkennbar. Eine von ihnen spielt Ahmed Dramé selbst. Eine klare Handlungsführung strukturiert den Ablauf so, daß trotz der Vielzahl von Akteuren das Geschehen flüssig und verständlich ist.
(Pino DiNocchio)

 


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Dieser Titel ist auch in anderen Editionen erhältlich:

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