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Stielke Heinz Fünfzehn - [DE] DVD

Stielke Heinz Fünfzehn - [DE] DVD
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Art.Nr.: 616311
Stielke Heinz Fünfzehn - [DE] DVD

616311 DE - mit Wendecover -
Tonspur: keine
Untertitel: D
Länge: 95 Min.
Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85
Extras: Wendecover, Gespräch mit Michael Kann (2015, ca. 55 Minuten)

 

Originaltitel: Stielke, Heinz, fünfzehn
Regie: Michael Kann
Musik: Wolfgang Schoor
Darsteller: Marc Lubosch, Angelika Perdelwitz, Herbert Sand, Dieter Mann, Jens Müller, Thomas Neumann, Christian Melchert, Heide Kipp, Gert Gütschow, Berthold Schulze, Rolf Ludwig, Werner Dissel
  Deutschland (Ost) 1987


STIELKE, HEINZ, FÜNFZEHN

Wie alle hochgewachsenen blonden Jungen ist der Berliner Heinz Stielke, 15 Jahre, stolz über seine Ernennung zum Rottenführer. Mit Leib und Seele dem Führer ergeben, hofft der stramme Hitlerjunge, auf der Karriereleiter der HJ mit seinem besten Freund Timme mitziehen zu können.
Von einem Tag auf den anderen kommt dann alles ganz anders. Es wird festgestellt, daß Heinz' Vater, der bereits als tapferer Soldat der Wehrmacht im Krieg gefallen ist, ein Jude war. Nach den Rassengesetzen gilt der Sohn jetzt als Halbjude. Heinz will das nicht glauben. Das muß ein Irrtum sein. Hat er doch die perfekt geformte nordisch-gemanische Schädelform des arischen Typs. Doch die Mutter bestätigt ihrem geschockten Jungen die lange verschwiegene Wahrheit.
Empört protestiert der Schüler gegen seinen Rauswurf aus dem Gymnasium. Es nützt nichts. Die Kameraden jagen ihn mit Schandrufen und Steinwürfen vom Sportplatz. Auf der Flucht gerät er in einen Luftalarm. Bei der Rückkehr findet er sein Zuhause ausgebombt, und die Mutter ist tot. Jetzt ist Heinz Vollwaise, obdachlos, mit nichts als seinem Turnzeug am Leib und einer Identität als Mischling aus der Blutschande seiner Erzeuger.
In der Not meldet sich Heinz bei der Polizei. Der Kommissar läßt Menschlichkeit vor Gesetz gehen und schickt den verzweifelten Jugendlichen als deutschen Jungen zu seinem Bruder in ein katholisches Waisenhaus nach Thüringen. Auf dem Weg dorthin wird Heinz seine Frechheit zum Verhängnis. Die SS greift ihn auf und will ihn wegen seiner gut gewachsenen Statur gleich für den eigenen Nachwuchs behalten. Dafür fühlt sich Heinz dann doch nicht stark genug. Er haut ab, wird geschnappt und landet in einem SS-Arbeitserziehungslager für Jugendliche. Dort sollen schwere körperliche Arbeit im Steinbruch und harter Drill die mangelnde Erziehung nachholen. Heinz lernt aber noch etwas ganz anderes während der Monate...

Ein Schelmenstück des "antifaschistischen" Propagandafilms aus der DDR. Wer glaubt, alles an bizarren Fantasien über die Jugend im Nationalsozialismus schon gesehen zu haben, kennt diesen Film noch nicht. Der SED-Staat war nie verlegen, wenn es in seinen Filmen um geschichtsverfälschende Darstellung der Nazis ging, damit diese im ideologischen Kampf als unbedingtes Feindbild stilisiert werden konnten. Was allerdings Regisseur Michael Kann mit dem Spielfilm "Stielke, Heinz, fünfzehn" an grotesker Entstellung der SS ablieferte, das stieß selbst bei Presse und Parteiorganen in der DDR auf Unverständnis.
Eine nymphomanische SS-Offizierin, die in ihren Machtspielen reihenweise hübsche Hitlerjungen zum heimlichen Sex mir ihr nötigt und die Jungs danach genüßlich vom Lagerkommandanten auf den Nackten züchtigen läßt; und die ihr Gemach in eine Galerie mit selbstgemalten Aktbildern von ihren halbwüchsigen Geliebten verwandelt. Diese frivole Vorstellung vom erotischen Reiz der Nazizeit, wie man sie eher von einem italienischen Skandalregisseur erwartet hätte, unterstreicht der Film noch mit der unzweideutigen Inszenierung des jugendlichen Hauptdarstellers als verführerisch schöner Knabe.
Hauptdarsteller Marc Lubosch war zuvor in DEFA Kinderfilmen als Peter in "Gritta von Rattenzuhausbeiuns" und in einer kleinen uncredited Nebenrolle in "Das Eismeer ruft" zu sehen gewesen. Seine schauspielerische Darbietung in der Rolle des Heinz Stielke hätte damals den angehenden Teen-Star für eine Karriere vor der Kamera prädestiniert, aber der Lauf der Dinge hielt ihn in der Filmproduktion beruflich in einer Position hinter den Kulissen.
In der Grundaussage karikiert der Film Hitlers absurde Rassenlehre, indem er den verblendeten Nazis einen nach ihren Maßstäben perfekt arisch aussehenden Jungen unterjubelt, dessen jüdisches Blut sie nicht riechen. Für sich genommen würde "Stielke, Heinz, fünfzehn" bis zu diesem Punkt als intellektuell provozierendes Kunstwerk funktionieren. Doch Michael Kann, selbst halbjüdischer Herkunft, hatte ein ganz anderes Motiv, als mit seinen durchaus ansprechenden Filmbildern die feuchten Träume von Liebhabern der Hitlerjungen-Erotik zu bedienen. Ihm ging es um eine plumpe Diffamierung der Nazis als eine Horde sadistischer Prügelbolde und sexistischer Lustmolche, deren ideologisches Gesellschaftsmodell auf den selbstenthirnten Anti-Judaismus reduziert wird. Das war selbst den Politagitatoren in der DDR suspekt. Es ist die typische Art, mit der ewig selbstgerechte jüdische Nachkömmlinge seit Ende des Zweiten Weltkriegs die Ära des Nationalsozialismus nur durch die verbrämte Brille des Schicksals ihrer eigenen Gemeinschaft betrachten. Als wäre der Faschismus nicht mehr gewesen als das Programm zum Völkermord an den Juden. Die vom Faschismus ausgehende elementare Gefahr durch die ihn kennzeichnenden machtpsychologischen Mechanismen der Massensuggestion wird in dem Film nicht aufgezeigt.
Ob der Autor es beabsichtigte oder nicht: Fern einer fundierten politischen Aussage bleibt "Stielke" am Ende ein elektrisierendes Jugenddrama, in dem die emotionalen Flüge eines 15jährigen Hitlerjungen durch eine bewegte Zeit begleitet werden. Heinz trudelt zwischen den Welten, von der Verblendung zur Flucht, vom Liebesabenteuer zum letzten Kriegseinsatz. Als der Alptraum vorbei ist, hat er viele Erfahrungen erworben, doch seine Identität hat er verloren. Stielke, Heinz, fünfzehn - weiß nicht mehr, wer er sein soll: Deutscher, Nazi, Halbjude, Flüchtling, Opfer, Überlebender, Besiegter... Mensch. Ein Kriegskind.
(Pino DiNocchio)

 


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