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Meine Keine Familie - DOKU - [AT] DVD

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850159 AT
Tonspur: Deutsch / Französisch
Untertitel: D
Länge: 93 Min.
Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
Extras:  

 

Originaltitel: Meine keine Familie
Regie: Paul-Julien Robert
Musik:  
Darsteller: ---
  Österreich 2012


MEINE KEINE FAMILIE

Für ein Gruppenfoto sammelt Paul-Julien Robert alle Mitglieder seiner biologischen Familie zusammen, die er finden und mobilisieren kann.
Aufgewachsen war Paul-Julien ab seiner Geburt die ersten zwölf Lebensjahre in einer Kommune, die ein alternatives Lebenskonzept ausprobieren wollte. In der von dem Wiener Aktionskünstler Otto Mühl Anfang der 1970er Jahre gegründeten Kommune Friedrichshof im österreichischen Burgenland lebten zeitweise mehrere Hundert Menschen nach Mühls Lehre der "Aktionsanalyse".
Im Alter von 32 Jahren begibt sich Paul-Julien Robert auf die persönliche Spurensuche. Anhand von Filmmaterial aus dem umfangreichen Archiv der Kommune erzählt Paul-Julien, wie er seine Kindheit erlebt hat. Er befragt vor der Kamera seine Mutter Florence nach deren Motiven und Erinnerungen. Er trifft ehemalige Mitglieder der Kindergruppe, die für ihn zu Geschwistern geworden waren. Auch sie sind noch lange nicht fertig mit der Aufarbeitung der massiven Prägung, die sie in der Kommune erfahren haben.
Im Zentrum der Kommune Friedrichshof stand der radikale Bruch mit der Kleinfamilie, die man als Wurzel allen Übels geißelte. Man glaubte durch die Erziehung der Eltern psychisch krank geworden zu sein und sich durch die Techniken der "Aktionsanalyse" hiervon heilen zu müssen. Die rituelle Abtrennung vom eigenen Elternhaus sollte die Mitglieder der Kommune von der autoritären Elterngeneration befreien. Die Auflösung der klassischen Zweierbeziehung zugunsten freier Sexualität machte die in der Kommune geborenen Kinder unabhängig von ihren genetischen Erzeugern. Die Väter blieben meistens unbekannt. Die Kinder wurden gemeinschaftlich erzogen. Die Fixierung auf einzelne Erwachsene entfiel mit der Abschaffung der Elternrolle. Die Kindergruppe wurde für die Heranwachsenden zur Familie.
Paul-Julien Robert beleuchtet im Sichten der Archivaufnahmen, im Gespräch mit seiner Mutter und in Interviews mit alten Freunden auch die Schattenseiten des Experiments Friedrichshof. Otto Mühl sah die Kommune als lebendes Kunstwerk, benutzte die Menschen als Material für seine Selbstdarstellung. Das Ideal von Gemeinschaftseigentum wurde konterkariert, als der Kommune das Geld ausging. Mitglieder mußten auswärts arbeiten gehen, um für die Gemeinschaft Geld zu verdienen. Auch Paul-Juliens Mutter mußte ihren Sohn allein zurücklassen.
Auch bei den Kindern gab es eine Hierarchie. Konkurrenz und Leistungsdruck um Anerkennung und Belohnung waren an der Tagesordnung. Die Kinder sollten sich ohne Zwänge frei entwickeln, jedoch wurde dies mit schikanösen Maßnahmen kontrolliert und in eine Richtung kanalisiert durch Bestrafungen, Liebesentzug, Unterwerfung. Einziges wirkliches Ziel für die Kinder war, so konstatiert Paul-Julien: lernen sich anzupassen. Das Experiment gipfelte im systematischen sexuellen Mißbrauch der Heranwachsenden durch die obersten Autoritäten Otto und dessen Frau.

Paul-Julien Robert macht sich besonnen und ohne Vorwürfe auf den Weg, sein als unvollständig empfundenes Familienbild zu komplettieren. Einst war die Kommune seine Familie gewesen, doch seit deren Auflösung drängte es ihn, den vakanten Platz mit seiner biologischen Verwandtschaft zu besetzen. Daß er wie viele andere Kommunarden wieder zurück zur vormals so vehement bekämpften Kleinfamilie strebt, beweist das grandiose Scheitern von Otto Mühls absurdem Konzept, widerlegt jedoch keinesfalls die These, daß die Kleinfamilie die Ursache für die psychische Störung der darin aufwachsenden Kinder ist. Mit seinen Exzessen und dem diktatorischen Gehabe tat Mühls Kommune Friedrichshof dem Bemühen um eine Emanzipation von der Kleinfamilie einen ganz schlechten Dienst.
Einer Frage weicht Paul-Julien Robert konsequent aus: Wie hat sich seine Kindheit im Umfeld von freiem Sex, natürlicher Nacktheit und ganzheitlichem Körpergefühl auf die Entwicklung seines eigenen Verhältnisses zur Sexualität ausgewirkt? Bei allen fatalen Fehlern, die seinerzeit im Friedrichshof und vielen ähnlichen, außer Kontrolle geratenen Kommunenprojekten der 1960-80er Jahre gemacht wurden: Die Idee gemeinschaftlicher Erziehung in einer undogmatischen Gesellschaft, die einem Kind eine größere Vielfalt an Lebensmodellen zur Auswahl bietet, darf keineswegs begraben werden. Paul-Julien Roberts Dokumentarfilm sollte als Anregung verstanden werden, über ernsthafte Alternativen zur Diktatur der Kleinfamilie neu nachzudenken.
(Pino DiNocchio)

 


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