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Systemsprenger - [DE] BLU-RAY

Systemsprenger - [DE] BLU-RAY

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Art.Nr.: 776001
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776001 DE
Tonspur:Deutsch
Untertitel:D, E
Länge:124 Min.
Bild:16:9 Widescreen 1:1.85
Extras:Interviews, Featurette, Audiokommentar von Menno Baumann (Professor für Intensivpädagogik) zu vier ausgewählten Szenen
- minus - Covermotiv mit Zensurzeichen überdruckt


Originaltitel: Systemsprenger
Filmlänge: DVD 116 Min. ohne Abspann
Regie: Nora Fingscheidt
Musik:  
Darsteller: Helena Zengel, Albrecht Abraham Schuch, Gabriela Maria Schmeide, Lisa Hagmeister, Bruno Thiel, Victoria Trauttmansdorff, Julia Becker, Maryam Zaree, Tedros Teclebrhan
 Deutschland 2019

SYSTEMSPRENGER

Benni ist ein neunjähriges Mädchen mit einer schweren sozial-emotionalen Verhaltensstörung. Sie pöbelt, prügelt, zerstört, stiehlt, lügt, terrorisiert. Ein frühkindliches Trauma wird als Ursache ihres extremen Aggressionspotentials angenommen. Etliche Pflegefamilien, Kinderheime, Wohngruppen, Psychiatrien hat Benni in ihren wenigen Lebensjahren schon verschlissen. Erzieher ist die häufigste Funktion, in der sie Erwachsene bisher erlebt hat. Als Systemsprenger bezeichnet man solche Kinder, bei denen alle gängigen Maßnahmen der Jugendhilfe fruchtlos bleiben. Sie sind auf normalen Wegen nicht mehr erreichbar, denn sie haben sich von allen gesellschaftlichen Regeln verabschiedet.
Nach einem ihrer gemeingefährlichen, massiven Tobsuchtsanfälle liegt das kleine Mädchen sediert und fixiert auf einem Krankenhausbett. Wieder einmal findet sie sich danach in der Auffangstelle der örtlichen Kindernothilfe wieder, wo sie schon Stammgast ist. Das Jugendamt möchte den Versuch unternehmen, Benni wieder in die Schule gehen zu lassen. Dazu wird ihr eigens ein auf Anti-Gewalttraining spezialisierter Pädagoge als Schulbegleiter zur Seite gestellt. Dieser tritt beim Hilfeplangespräch mit einer ganz neuen Idee an. Micha zieht sich mit dem entgleisten Kind für einige Wochen in eine Hütte im Wald zurück. In der Abgeschiedenheit der Natur soll Benni sich von dem Dauerstress erholen. Tatsächlich beruhigt sich Benni etwas und knüpft eine vertrauensvolle Beziehung zu Micha. Sie erlebt glückliche Momente. Sie kann wieder durchatmen und sich selbst spüren, ohne dabei krawallgeladen zu sein. Sie erfährt auch, daß ihr provokatives Verhalten bei Micha klare Konsequenzen hat. Von einer Resozialisierung ist sie aber weit entfernt. Benni fängt an, sich an Micha zu klammern. Nach der Rückkehr ist nichts besser geworden.
Bei dem Fall geht es ganz um das Kind und seine psychische Verfassung. Das Versagen des sozialen Umfelds und der überforderten Mutter spielt keine Rolle. Vielmehr liegt der Fokus auf der Verzweiflung jener Menschen, die dem Mädchen professionell helfen wollen und daran scheitern. Das System ist mit seinen Möglichkeiten am Ende. Benni ist eine ständige Gefahr, da sie in ihrer Unberechenbarkeit immer wieder andere Kinder verletzt. Aber die verantwortlichen Ärzte und Behörden sind nicht bereit, die Allgemeinheit vor den Gewalttaten des kleinen Mädchens zu schützen. Eine Sicherungsverwahrung in einer geschlossenen Einrichtung wäre angebracht. Davor scheuen alle zurück. Es gibt keine Antwort auf das Problem.
"Systemsprenger" war 2019 die Sensation im deutschen Independent Kino. Die Produktion erhielt etliche Preise und war für den "Oscar" der Filmakademie in Los Angeles nominiert. Aus fachlicher Sicht zeigt der gut recherchierte Spielfilm die Problematik sehr authentisch. Für das Publikum wurde die Komplexität und Vielschichtigkeit der vielen Akteure und Institutionen zugunsten einer übersichtlichen Handlung heruntergebrochen und komprimiert. Die Wirkung ist beklemmend. Eindrücklich wird durch den Film das weithin kaum bekannte Phänomen an die Öffentlichkeit gebracht, daß einige Kinder und Jugendliche mit besonders herausforderndem Verhalten einfach durch alle Angebote der Jugendhilfe fallen.
In augenausstechend grellem Pink eingekleidet ist das kreischende Mädchen ein permanentes Störfeuer für alle Sinne. Die kleine Helena Zengel spielt diese schwierige Rolle hochkonzentriert und mit einem tiefen Verständnis für die Figur. Sehr klug und wortgewandt erklärt Helena das Dilemma, in dem sich Benni befindet. Das Kind möchte eigentlich nur geliebt werden, doch weil es zu oft abgewiesen und enttäuscht wurde, kommt es schließlich nicht mehr aus dem zum Zwang mutierten soziopathischen Trotzverhalten heraus. Auch Michas Methode sind Grenzen gesetzt. Er läßt sich am Ende emotional zu sehr von Benni vereinnahmen und verliert die professionelle Distanz. (Pino DiNocchio

 


© 1999-2020 by TAMINGO Media Publishing

Dieser Titel ist auch in anderen Editionen erhältlich:

Systemsprenger - [DE] DVD

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